Als Siemens Zwangsarbeiter von Auschwitz nach Berlin
Die deutschen Besatzer zwingen Marcel Tuchman (1921-2018) und seine Eltern als jüdische Polen 1941 ins Ghetto Przemyśl. Sie ermorden die Mutter im September 1943. Marcel Tuchman und sein Vater Ignatz kommen über das Durchgangslager Szebnie nach Auschwitz-Birkenau. Um dem lebensgefährlichen Lager zu entkommen, melden sie sich für das Siemens-Kommando in Bobrek bei Auschwitz. Das Kommando erbaut 1943 eine Siemens-Fertigungshalle und produziert Kriegsmaterial.
Siemens schickt das Kommando später über das KZ Buchenwald nach Berlin ins KZ Haselhorst, welches sich auf dem Firmengelände von Siemens befindet. In Berlin muss Marcel Tuchman am Spreekanal Frachtkähne mit Fertigbaracken beladen. Mit seinem Vater wird er 1945 mit einem Todesmarsch nach Schwerin geschickt – beide überleben. Anschließend studiert Tuchman im Rahmen eines Förderprogramms der Vereinten Nationen in Heidelberg Medizin. Er ist dort der erste jüdische Student der Nachkriegszeit. 1949 schließt er mit Auszeichnung ab und emigriert nach New York. Dort eröffnet er 1956 eine eigene Praxis.
Marcel Tuchmann (erste Reihe, ganz links) während seines Medizinstudiums mit einer Gruppe jüdischer Studierender, Heidelberg 1955 © Privatbesitz / Metropol Verlag
Marcel Tuchman, 1948 © Privatbesitz / Metropol Verlag
Marcel Tuchman meldete sich freiwillig zur Israelische Armee, doch der Krieg gegen Israel endete vor die Beendigung seines Medizinstudiums. © Privatbesitz / Metropol Verlag
Marcel Tuchman (vorne liegend) bei einem Wiedersehen anlässlich des 50. Jahrestags der Befreiung mit seinen ehemaligen Kommiliton:innen im Jahr 1995 © Privatbesitz / Metropol Verlag
Marcel Tuchman bei einem Besuch im Dokumentationszentrum NS Zwangsarbeit mit der Gedenkstättenmitarbeiterin Eva Kuby, Berlin 2016 © Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit